Eine Gurkenpflanze zwei Tage nach Beginn der Keimung
Saatgut und Pflanzen

Keimung von Samen: Definition und Ablauf

Jetzt im Februar beginnt ja endlich wieder die Zeit, um Saatgut vorzuziehen. Ich finde es faszinierend, zu beobachten, wie aus einem winzigen Samen nach wenigen Wochen eine stattliche Pflanze wird. Habt ihr euch auch schonmal gefragt, wie das überhaupt funktionieren kann? Ja? Prima, ich nämlich auch 😀 Daher habe ich mich mal ein bisschen schlau gemacht, wie die Keimung von Samen überhaupt funktioniert und teile jetzt mit euch mein neu erworbenes Wissen 🙂

Die richtigen Voraussetzungen für die Keimung

Ja ich weiß. Eigentlich ist das Wissen um Keimung Stoff aus dem Biologie-Unterricht der sechsten oder siebten Klasse. Das ist bei mir aber schon viele Jahre her – fast 15, um genau zu sein. Hätte ich mit 13 gewusst, dass ich mich irgendwann mal für das Gärtnern interessiere, hätte ich in Biologie wahrscheinlich besser aufgepasst. Na ja… umso besser, dass es das Internet gibt und uns erklärt, wie denn nun aus dem Samen am Ende eine Pflanze wird.

Klar ist schonmal: Es braucht einen Samen. Und zweitens: Es braucht die richtigen Bedingungen, damit beim Saatgut auch die Keimung einsetzen kann. Die wichtigsten Voraussetzungen sind Wärme, Wasser und Sauerstoff. Die Wärme stellt sicher, dass auch außerhalb des Keimmilieus die richtigen Temperaturen herrschen, die der Keimling (auch Embryo genannt) für seine weitere Entwicklung braucht. So gibt es Samen, die Frost brauchen um zu wachsen. Andersherum gibt es auch Sorten, die beispielsweise erst nach Waldbränden, also extremer Hitze, mit dem Wachstum beginnen.

Nicht jeder Samen braucht die gleiche Menge Licht

“Und was ist mit Licht? Samen brauchen doch Licht zum Keimen!” – jaein. Saatgut kann zwischen Lichtkeimern oder Dunkelkeimern unterschieden werden. Die einen brauchen Licht zum Wachsen und die anderen eben Dunkelheit. Daher ist es auch so wichtig, bei der Anzucht einen Blick auf die Saatgutpackung (oder ins Internet) zu werfen und zu prüfen, wie die Präferenzen des vorliegenden Saatguts sind. Checkt man das vorher nicht, bringt das – besonders als Gartenneuling – nur Frust. Diese Erfahrung konnte ich vergangenes Jahr auch selbst machen.

Lichtkeimer sind meist kleine Samen, die nicht über genügend Energie verfügen, um eine dichte Bodenschicht zu durchdringen. Basilikum oder Gräser wie Roggen zählen beispielsweise dazu. Dunkelkeimer wie Rittersporn oder Lupinen müssen mit Erde bedeckt werden, damit sie wachsen können. Die Stärke der darüberliegenden Erdschicht hängt von der Größe des jeweiligen Samens ab.

Welche Temperaturen braucht es zur Keimung?

Vor der Anzucht von Kaltkeimern (früher Frostkeimer genannt) müssen diese einer Kälteperiode von mindestens sechs Wochen ausgesetzt werden. Die Temperaturen sollten dabei um den Gefrierpunkt liegen, nicht aber bei extremen Minusgraden. Möchte man die Kältezeit künstlich erzeugen, reicht es, die Samen zwei bis drei Wochen in den Kühlschrank zu legen. Christrosen, Bärlauch und Enzian gehören zu den Kaltkeimern.

Damit Warmkeimer mit dem Wachstum beginnen, benötigen sie Temperaturen von +5 Grad Celsius für ein bis mehrere Wochen. Hierbei gibt es allerdings frostresistente Arten, die bereits im Februar ausgesät werden können. Ein Beispiel dafür ist die Ackerbohne. Hingegen gehört der Mais zu den nicht-frostresistenten Warmkeimern und sollte erst ab Mai ausgesät werden. Früher geht natürlich auch – dann aber im Gewächshaus.

Zu guter Letzt gibt es noch die Feuerkeimer. Das sind Pflanzen, deren Samen sehr hohe Temperaturen benötigen, die zum Beispiel durch Wald- oder Weidebrände erreicht werden. Diese Gewächse haben oft ätherische Öle oder Harze eingelagert, die sie leicht brennbar machen. Das Abbrennen der Mutterpflanze sorgt für den Keimling für bessere Lichtverhältnisse und einen nährstoffreichen Boden. Ich wüsste allerdings keinen Feuerkeimer, der in den Gärten in unseren Breitengraden gedeiht.

Damit der Stoffwechsel des Samens in Schwung kommt, muss der Samen natürlich erstmal einiges an Wasser aufnehmen. Als “Nahrung” für das Wachstum nutzt der Samen die in ihm liegenden Öle und Proteine. Enzyme bauen die Nährstoffe ab, der Samen kann die Sprossachse und die Blätter Richtung Licht bewegen. Sind die Nährstoffe aufgebraucht, versorgt sich das Pflänzchen mittels Fotosynthese.

Aufbau eines Keimlings

Aufbau eines Samens während der Keimung
Eine grafische Darstellung, wie ein Samen aufgebaut ist. Quelle: www.spektrum.de

Der Keimling besteht aus vier Bestandteilen:

  • der Sprossachse
  • den Keimblättern
  • der Wurzelanlage (Radicula)
  • der Plumula (Gewebe, das die Anlage der ersten Laubblätter trägt)

Hat der Keimungsprozess eingesetzt, durchbricht die Wurzelanlage die Samenschale und beginnt direkt mit der Wurzelbildung. Diese sind nämlich für die weitere Wasserversorgung wichtig und verankert den Keimling im Erdreich. Im Anschluss folgt das Strecken der Sprossachse, entweder epi- oder hypogäisch, wie wir gleich lernen werden 🙂 Sind die ersten Blätter entwickelt, beginnt das Pflänzchen mit seinem Längenwachstum. Gleichzeitig bildet es weitere Blätter. Die Wurzeln in der Erde verzweigen sich weiter, um die dortigen Nährstoffe aufnehmen zu können. Ist dieses Stadium erreicht, hat sich der Keimling zu einer vollständigen Pflanze entwickelt. Je nach Art kann es aber noch Jahre dauern, bis das Gewächs Blüten ausbildet und somit “erwachsen” ist.

Unterschiedliche Keimungs-Typen

Die Botanik unterscheidet zwischen der epigäischen (überirdischen) und hypogäischen (unterirdischen) Keimung. Bei der epigäischen Keimung streckt sich der junge Sprossenabschnitt (Hypokotyl) zwischen den Wurzeln und Keimblättern. Es bildet sich ein sogenannter Hypokothylhaken, der die Erdoberfläche durchdringt und somit die Keimblätter nach oben hebt. Bis zur Ausbildung der ersten Folgeblätter (Primärblätter) betreiben die Keimblätter Fotosynthese und sterben im weiteren Verlauf ab.

Beispiele für die epigäische Keimung:

  • Radieschen
  • Buche
  • Rizinus
  • Kartoffel
  • Raps
  • Sonnenblume

Bei der hypogäischen Keimung streckt sich der Sprossabschnitt zwischen Keim- und Folgeblätter so, dass die Keimblätter in der Erde bleiben. Somit sind nur die Primärblätter fotosynthetisch aktiv. Beispiele dafür sind etwa Erbsen, Feuerbohnen, Eichen und Dattelpalmen.

Ich bin immer wieder fasziniert davon, was diese kleinen Samen leisten, sobald sie in der Erde sind. Dabei sehen wir das meiste gar nicht, was im Saatgut über und unter der Erde passiert. Umso spannender finde ich solche Videos, in denen man diesen ganzen Keimungs-Prozess im Zeitraffer nachverfolgen kann. Wahnsinn, oder?

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28 / Redakteurin / Landei und Jung-Gärtnerin :)

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